Über uns

Den Ausgangspunkt der Aktion «Help the Maya» bilden Erfahrungen und Einsichten, die wir während eines Aufenthalts in Belize gewonnen haben. Diese so genannte Exposure-Reise (von „to expose“, sich aussetzen) wurde von der Katholischen Universitätsgemeinde (kug) Basel und der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Nürnberg angeboten und dauerte vom 28. Juli bis zum 17. August 2010. Für die Organisation und Durchführung waren die Erfahrungen von Pater Jörg Alt entscheidend: Er war früher bereits zweieinhalb Jahre im Toledo-Distrikt als Pfarrer tätig und hatte sich während dieser Zeit intensiv mit der Kultur, aber auch den Problemen der dortigen Maya-Bevölkerung auseinandergesetzt. Seit seiner Rückkehr nach Europa ist  sein Anliegen, die Maya-Kultur vorzustellen und für die Probleme zu sensibilisieren. Nun also  sollte jungen Leuten die Möglichkeit gegeben werden, mit der Maya-Kultur näher in Kontakt zu treten.

Aus verschiedenen Orten (Bern, Basel, Nürnberg, Wien) kamen Ende Juni zehn Teilnehmende erstmals  zu einem Vorbereitungstreffen zusammen. Neben Abklärungen zu reisetechnischen Angelegenheiten sollten Kenntnisse hinsichtlich unserer Reisedestination erworben und die Erwartungen und Zielsetzungen der Gruppe und jedes Einzelnen ausformuliert werden. Bis zum Abflug Ende Juli versuchten wir bereits brieflich mit unseren Gastfamilien in Kontakt zu treten, während die Gruppenleitung anhaltende organisatorische Arbeit zu bewältigen hatte. Zusammen mit Vertretern der örtlichen Pfarrei St. Peter Claver musste etwa  die Unterkunft bei den Familien abgestimmt werden: Dies ist nicht leicht, da Otoxha und Dolores rund drei Stunden Busfahrt von Punta Gorda (umgangssprachlich „PG“), der Distrikthauptstadt, entfernt liegen und die Gastfamilien telefonisch nicht erreicht werden können.

In den Tagen nach unserer Ankunft in PG wurden wir durch Vorträge von Vertretern verschiedener Behörden, der Kirche und NGOs in die sozio-ökonomische Hintergründe des bis vor Kurzem noch von der Welt abgeschnittenen Toledo Districts eingeführt. Wir erfuhren einiges über das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in Belize, die Probleme von Minderheiten und Frauen  und bekamen auch einen ersten vertieften Eindruck von der Kultur der Q'eqchi und Mopan Maya. Bei diesen Vorbereitungstreffen lernten wir auch Dorla Bowman und Mario Chub vom Socio-Economic Outreach (SEO), unserem Projektpartner, kennen.

Den Schwerpunkt der Reise bildete der zehntätige Aufenthalt in Dolores und Otoxha. Jeder von uns war bei einer Familie in einem der beiden Dörfer untergebracht. Den Tag hindurch begleiteten wir unsere Gastschwestern und –brüder und versuchten uns an den anfallenden Arbeiten zu beteiligen. Daneben gab es in jedem der beiden Dörfer ein Schul- und ein Bauprojekt: In Dolores eine neue Kirche, in Otoxha eine neue Bibliothek. Obwohl die Zeit in Dolores und Otoxha sehr kurz war, gelang es uns doch, einen nachhaltigen Eindruck vom Leben unserer Gastgeber zu gewinnen. Ihr traditionell sehr einfaches Leben spielt sich schließlich nicht hinter verschlossenen Türen ab, sondern draußen, etwa beim gemeinsamen Arbeiten oder Baden, und in leicht zugänglichen Hütten, wo man auch als Fremder  immer willkommen ist. Einige der Probleme liegen dabei offen zu Tage, andere erfährt man im Vertrauen, darüber hinaus gibt es zunehmend Probleme, für die unsere Gastgeber kaum Worte finden, da sie von der Moderne des 21. Jahrhunderts  her auf sie zukommen und entsprechend überfordern. Was uns in erster Linie bewegte, war das friedvolle und fröhliche Miteinander des Dorflebens, dann aber die Einsicht, dass einiges getan werden muss,  damit es fortbestehen kann, dass sie, anders gesagt, nicht Opfer der Veränderungen werden, denen sie ausgesetzt, sondern sie aktiv in ihrem Sinne mitgestalten können.

Beim Nachtreffen Anfang Oktober 2010 war es ein Anliegen aller Beteiligten, dass unsere Beobachtungen, Reflexionen und Diskussionen während der Reise nicht folgenlos bleiben sollen und dass wir, wo es in unserer Macht steht, zu helfen versuchen. Die Hauptschwierigkeit bestand darin, ein Projekt auszuarbeiten, hinter dem alle Teilnehmenden stehen konnten, denn die Themenschwerpunkte waren zunächst unterschiedlich gesetzt: Bildung, Gesundheit, Ernährung, Kultur- und Frauenförderung. Da sich diese Punkte aber offensichtlich überschneiden, zeigte sich zunehmend die Stärke eines integralen Projekts: Ein Thema wird weniger einseitig betrachtet und man lässt bei der Ausarbeitung nichts Entscheidendes außen vor.

Damit kann auch an die Initiative des Socio-Economic Outreach (SEO) angeknüpft werden, das sich vieler Probleme, die uns beschäftigten seit Jahren annimmt. Dabei teilten wir der Leiterin von SEO den Wunsch mit, dass ein Großteil der von uns gesammelten Gelder 'unseren Dörfern' Dolores und Otoxha und den Menschen, die wir persönlich kennen, zugute kommen soll. Denn dies motiviert uns bei der Bündelung unserer Kräfte als Ärztinnen, Informatiker, Seelsorger und Studierende verschiedener Richtung.

Simon Bordier