Ziviler Ungehorsam & Widerstand

Es ist eine traurige Tatsache, dass Gesellschaft und Politik derzeit den bereits bestehenden Klimanotstand nicht angemessen ernst nehmen und entsprechend handeln. Selbst ein Urteil des Bundesverfassungsgericht, welches vorrechnet, wieviel CO2-Budget Deutschland noch zusteht, führt zu keinem Koalitionsvertrag, der Hoffnung in die aktuelle Bundesregierung berechtigt. Entsprechend wird gewaltfreier Ziviler Ungehorsam und Widerstand erforderlich und gerechtfertigt, um auf die Dringlichkeit der Situation und entsprechendes Handeln aufmerksam zu machen. Daran werde auch ich mich beteiligen.

Essen retten = Leben retten

Losgehen soll es mit etwas Elementarem: Lebensmittel. Ihre Überproduktion, Verschwendung und Vernichtung ist ein Skandal angesichts steigender Versorgungsengpässe, Hungers und Teuerung sowie ein Beitrag zu Artensterben, der Übernutzung und Verschmutzung natürlicher Ressourcen und dem Klimawandel. Dagegen protestierte ich mit "Containern" und Selbstanzeige, die mir ein Verfahren nach § 243 StGB einbrachte: "Besonders schwerer Diebstahl", worauf Freiheitsentzug zwischen drei Monaten und zehn Jahren steht. Nach fünf Monaten Ermittlung will die Staatsanwaltschaft das Verfahren plötzlich einstellen. Ganz klar eine politische Entscheidung, um einen hochnotpeinlichen Fall loszuwerden. Aber: Solange andere Menschen ohne vergleichbar guten institutionellen Schutz nach geltender Gesetzes- und Verfahrenslage mit Verurteilungen rechnen müssen ist für mich eine Verfahrenseinstellung nicht akzeptabel. Hier meine Stellungnahme dazu. Wer Näheres zur Aktion insgesamt wissen will: Hier ist ein Verlaufstagebuch, hier eine Erklärung zu Sinn und Hintergrund meiner Aktion, das FactSheet zum Thema und die Solidaritätserklärung der unterstützenden Organisationen.

Sie wollen mir helfen?

Wegen der Anzeige wegen "besonders schweren Diebstahls" habe ich mir einen Rechtsbeistand zugelegt. Der ist gut, aber teuer. Zur Bezahlung möchte ich aber weder Geld des Ordens noch unseres Hilfswerks "jesuitenweltweit" nehmen. Wer also etwas zu meinem Verfahren beitragen möchte kann dies hier tun:

Kontoinhaber:   Jesuitenweltweit

IBAN:                   DE61750903000005115582

Spendencode: „X36440 Projekte Jörg Alt“ (Verwendungszweck)

Autobahnblockaden & Unterstützung aus dem Süden

Da die Bundesregierung weiterhin untätig bleibt hinsichtlich ihrer Arbeiten an einem Lebensmittelrettungsgesetz hat der "Aufstand der Letzten Generation" – der Gruppe, die aus dem Hungerstreik junger Menschen hervorging – mit Autobahnblockaden begonnen: Durch diese Form gewaltfreien Zivilen Widerstands soll das "Weiter-So" symbolisch und tatsächlich gestört und auf die Notwendigkeit eines Systemwechsels hingewiesen werden. Überrascht wurde ich vom Ausmaß an Zustimmung und Unterstützung dieser Aktionsform durch Jesuiten aus dem Globalen Süden, etwa Xavier Jeyaraj SJ, Leiter des Sekretariats für soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit an der Generalskurie in Rom, Charles Chilufya SJ, Direktor für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit der afrikanischen Jesuiten, Siji Chacko SJ, Direktor für Ökologie Südasien/Pazifik, Rodrigue Naortanga SJ, Institut Theologie Abijn und Pedro Walpole SJ, Direktor des ESSC-Instituts, Philippinen.

Sozialethische Begründung zivilen Widerstands

Angesichts der wachsenden Notwendigkeit zu Zivilem Ungehorsam und Zivilem Widerstand haben mich KlimaaktivistInnen gebeten, eine sozialethische Legitimierung solcher Aktionen angesichts des Klimanotfalls zusammenzustellen. Das entsprechende Buch wird den Titel tragen "Widerstand! Gegen eine Wirtschaft die tötet" und im August 2022 erscheinen. Es ist Abschluss meiner dreibändigen "Transformations-Trilogie", in der das Buch "Handelt!" im Jahr 2020 und das Buch "Einfach Anfangen!" im Jahr 2021 erschienen ist.

Papst Franziskus meint zu alledem: „Wir müssen der Wegwerfmentalität ein Ende setzen, wir, die wir den Herrn um das tägliche Brot bitten. Die Verschwendung der Lebensmittel ist mit schuld am Hunger und am Klimawandel.“