3 Jahre danach

2012 hatten wir die Chance, mit der Kampagne „Kony 2012“ soviel Druck zu erzeugen, dass die internationale Gemeinschaft mit Joseph Kony und seiner Armee brutalisierter (ehemaliger) Kindersoldaten ein Ende zu machen. Leider haben wir versagt, und der Horror setzt sich fort, wie in diesem Bericht des BBC Africa vom Januar 2015 berichtet wird.

Kony 2012 Deutschland

Die internationale Kampagne „Kony 2012“, getragen von der NGO „Invisible Children“, hatte zwei Ziele: Sie will (1.) Joseph Kony und seine Untaten weltweit bekannt machen und dadurch (2.) den Druck auf die Regierungen der Welt zu erhöhen, ihn endlich zu verhaften und seiner gerechten Bestrafung zuzuführen. Beides fand ich unterstützenswert, denn:

Joseph Kony ist Anführer der Lords Resistance Army (LRA) und einer der weltweit am meistgesuchten Straftäter, der sich einer Vielzahl von Vergehen schuldig gemacht hat: Der Entführung von Jungen und Mädchen mit dem Ziel, sie zu Kindersoldaten und Sexsklaven zu machen. Massenmord, Verstümmelung, Vertreibung, Plünderung, Einschüchterung.Trotz dieser Gräueltaten war Joseph Kony jahrzehntelang nur den Experten bekannt, auch dass nach ihm seit 2005 international gefahndet wurde (hier der Haftbefehl im Wortlaut) interessierte kaum jemand. Das hat die Kampagne „Kony 2012“ gründlich geändert:

Kibera-Slum in Nairobi: Beachte die Aufschrift auf der Mauer: „Yes, we can“

Im Zentrum der Kampagne standen zwei Videos. Das erste Video vom Anfang März 2012 verbreitete sich rasend schnell und plötzlich war Joseph Kony international bekannt. Aber: Das Video wurde heftig kritisiert, deshalb wurde zweites Video gedreht, um auf diese Kritik einzugehen. Dennoch gab es Fragezeichen:

Ich habe deshalb ein Papier mit dem Titel „Einwände und Gegeneinwände“ zusammengestellt, in dem ich darlege, warum ich unterm Strich das Anliegen der Kampagne dennoch unterstütze. Von diesem Papier gibt es eine Kurzfassung ohne Belegfußnoten, und eine Langfassung mit Belegfußnoten.

Dieses Papier habe ich verschiedene Stellen mit der Bitte um Stellungnahme geschickt und gefragt, was man unternehmen könne, um diese breite Aufmerksamkeit bestmöglich zu nützen. Hier Reaktionen aus dem Bereich der Bundesregierung, dem Bundestag und NGOs.

Kakuma: Mädchen kommt vom Wasserholen.

Leider konnte der anfängliche Schwung nicht aufrechterhalten werden: Zwar stellte die OAU eine Eingreiftruppe auf die Beine, die „Nummer 4“ der LRA, Cesar Acellam, wurde gefasst, Demobilisierungsangebote lockten zunehmend LRA Kämpfer aus dem 'Busch' – all dies wäre ohne die Kampagne wohl nicht erreicht worden. Das eigentliche Ziel aber, Joseph Kony zu verhaften, wurde bis zum Ende des Jahres 2012 leider nicht erreicht. Immerhin hält das angeschobene Momentum an: Der UN Sicherheitsrat mahnt in einer Presidential Declaration am 19.12.2012 die Weltgemeinschaft, die Beschlüsse des Jahres 2012 umzusetzen, im April 2013 werden 5 Millionen US$ Belohnung zur Ergreifung von Kony ausgesetzt.

Die Kampagne belegt, dass virtuelle Kampagnen sehr gut sind, um Aufmerksamkeit zu erregen, dass es aber begleitender Strukturen in der realen Welt bedarf, um diese Aufmerksamkeit auch in realen politischen Druck und andere Ressourcen 'umzumünzen'.